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Bürgermeisterin Gertrud Wagner nimmt Abschied

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 02.07.2009
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Die Verpflichtung des neuen Stadtrates und die Amtseinführung des neuen Bürgermeisters Thomas Przybylla am 2.7.2009 waren die letzten Amtshandlungen der langjährigen Bürgermeisterin der Stadt Weißenthurm.

Am gleichen Tag veröffentlichte die Rhein-Zeitung ein Interview mit der scheidenden Bürgermeisterin, das Sie hier lesen können:

 

Gertrud Wagner freut sich auf mehr Freizeit

RZ-Interview mit Weißenthurms scheidender Stadtbürgermeisterin - Ein Rückblick auf 13 Jahre Amtszeit - Im Kreistag weiter politisch aktiv
 

 

Vieles würde Gertrud Wagner als Stadtbürgermeisterin von Weißenthurm heute nicht anders machen. Nachdem sie die Geschicke der früheren Industriestadt 13 Jahre lang gelenkt hat, übergibt sie ihr Amt heute in jüngere Hände.
 

WEISSENTHURM. Als jüngstes Kreistagsmitglied hat Gertrud Wagner 1969 die politische Bühne betreten, als Kreistagsmitglied will sie sie verlassen. Dort will die 68-Jährige zumindest in den kommenden fünf Jahren noch für die CDU aktiv sein. "Dann schließt sich der Kreis", sagt Wagner, die ihr Amt als Stadtbürgermeisterin von Weißenthurm heute an Thomas Przybylla (36) übergibt. Was sie sich für ihre Stadt, von ihrem Nachfolger und für sich selbst wünscht, hat sie der Rhein-Zeitung verraten. Das Interview im Wortlaut:

Glauben Sie, dass Sie die Erwartungen der Weißenthurmer erfüllt haben?

Ich hoffe es. Es gab einige Projekte, die zu Beginn relativ umstritten waren. Aber etwa beim Thema Stadtkernsanierung freuen sich mittlerweile immer mehr Bürger über die positive Veränderung des Stadtbilds. Ähnlich war es beim Ausbau der Hauptstraße oder bei der Gestaltung der Rheinanlagen. Weil sie eine Veränderung des Gewohnten bewirkten, haben viele Bürger diese Projekte anfangs überhaupt nicht goutiert. Hinterher aber waren sie davon überzeugt, von Anfang an dafür gewesen zu sein.

Wenn Sie auf 13 Jahre Arbeit als Stadtbürgermeisterin zurückblicken: Was war schwierig, was war leicht?

Eine wirklich schwierige Aufgabe fällt mir im Augenblick nicht ein. Manches hat in der Vorbereitung mehr Zeit gebraucht, aber ich habe auch immer Unterstützung erfahren von Verbandsgemeinde- und Kreisverwaltung sowie den zuständigen Landesbehörden. Zwar war es damals noch nicht modern, dass Frauen Bürgermeister werden, aber die Stellung als kapitales Einzelstück hatte ich im Kreistag ja bereits geübt. Dass ich Bürgermeisterin wurde hat im Gegenteil dazu geführt, dass in Weißenthurm relativ früh viele Frauen im CDU-Vorstand und in der Fraktion vertreten waren.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Amtshandlung?

Ja, das war eine ganz alltägliche. Ich habe mich am ersten Tag im Amt durch eine große Zahl von Wiedervorlagen gearbeitet. Das hing auch damit zusammen, dass mein Amtsvorgänger krank war. Die erste offizielle Amtshandlung war dann die Aufstellung des Haushalts. Da wurde mir zum ersten Mal klar, wie "reich" Weißenthurm ist: 1996 betrug das Haushaltsdefizit mehr als 3 Millionen Mark. Weißenthurm hatte praktisch keine Einnahmen und noch nicht mal Geld, um die Gehälter zu bezahlen. Da haben wir begonnen, sehr sparsam zu wirtschaften und etwa meine Verfügungsmittel als Bürgermeisterin drastisch gekürzt.

Es sollte nicht der einzige unausgeglichene Haushalt bleiben, der während Ihrer Amtszeit verabschiedet wurde  ...

Die Stadt Weißenthurm hat seit mehr als 15 Jahren mit unausgeglichenen Haushalten zu kämpfen gehabt. Das hing vor allem damit zusammen, dass die Bims- und Bierindustrie weggebrochen ist und der Mittelstand sich nur sehr langsam entwickelte.

Hat Weißenthurm den Haushalt in Ihrer Amtszeit in den Griff bekommen?

Ich hoffe es. Wir haben es in den vergangenen Jahren einige Male geschafft, einen zunächst unausgeglichenen Plan am Ende zu einem ausgeglichenen Haushalt zu führen. Und in diesem Jahr haben wir von Anfang an einen ausgeglichenen Haushaltsplan verabschieden können.

Was war Ihr liebstes Kind während Ihrer Amtszeit?

Am meisten beschäftigt hat mich die Stadtkernsanierung, die seit 2002/03 läuft. Aber ganz wichtig war mir auch immer die Begleitung der Schulen, was als ehemalige Lehrerin naheliegt. Da hat die Stadt in den vergangenen Jahren bis heute einiges getan - von der Betonsanierung bis zum Bau der Mensa und Gymnastikhalle. So haben wir einen Sanierungsstau, den es in vielen anderen Gemeinden gibt, vermeiden können.

Rückblickend auf 13 Jahre an der Stadtspitze: Was würden Sie heute anders machen?

Ehrlich gestanden, nicht viel. Ich habe mich bemüht, die Dinge, die getan werden mussten, zeitnah anzugehen und mit den Bürgern darüber zu reden.

Welchen Rat wollen Sie Ihrem Nachfolger Thomas Przybylla mit auf den Weg geben?

Er sollte das tun, was ihm sowieso im Wesen liegt: das Gespräch mit den Bürgern suchen und anstehende Themen sachbezogen abarbeiten. Dass er die Sachkompetenz und die Kreativität dafür hat, daran zweifle ich nicht.

Wo sehen Sie die Zukunft von Weißenthurm?

Ein Teil der Zukunft liegt darin, dass die Weißenthurmer ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickeln. Darauf zielt auch das landesweite Programm "Soziale Stadt" ab, an dem auch Weißenthurm teilnimmt. Es ist wichtig, dass die Bürger - ob mit oder ohne Migrationshintergrund - zusammenstehen. Dann ist auch die Entwicklung von Gewerbe in Weißenthurm leichter, dann ist es auch leichter, gewisse touristische Möglichkeiten auszuschöpfen, die die Stadt hat. Zwar wird Weißenthurm nie eine Fremdenverkehrsstadt werden, aber attraktiver darstellen sollten wir uns künftig schon.

Welche Pläne hat die Pensionärin Gertrud Wagner?

Ich werde mich wieder mehr um Haus und Garten kümmern. Ich weiß allerdings noch nicht, ob ich auch um die Küche kämpfen soll, denn mein Mann hat sie in den vergangenen Jahren hervorragend verwaltet. Aber ich freue mich sehr darüber, dass wir beide wieder mehr Zeit füreinander und für die Enkel haben werden. Sonstige Pläne sind Wandern, Reisen, Lesen, Häkeln, Stricken - Hobbys, die in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen sind.

Fällt es Ihnen schwer, das Amt niederzulegen?

Nein, ich habe den Bürgermeisterstuhl gern eingenommen und verlasse ihn froh - auch weil der Wechsel gut vorbereitet wurde. Ich habe nach meiner Wiederwahl vor fünf Jahren meine Partei darum gebeten, zur Halbzeit über meine Nachfolge nachzudenken. Als Beigeordneter hat Thomas Przybylla in den vergangenen zwei Jahren über alle Interna Einblick erhalten und konnte sich in die Verwaltung einarbeiten. Was mich an der Amtsübergabe besonders freut: Auf diese Weise ist auch der Generationenwechsel gelungen.

 Das Gespräch führte

Ulrike Hochgesand

(Aus Rhein-Zeitung vom 2.7.2009)


Zuletzt geändert am: 19.03.2010 um 21:39

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