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Gemüsekiste im Abo vom Gertrudenhof Weißenthurm

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 20.04.2010
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Gemüsekiste im Abo vom Gertrudenhof Weißenthurm

Ein Artikel aus der Rhein-Zeitung

Biogemüse kommt per Klick ins Haus

Gesunde Lebensmittel gibt"s zwar nicht auf Rezept, aber im Abonnement: Wer will, kann sich von Bio-Höfen im Land regelmäßig erntefrisches Obst und Gemüse bis vor die Haustür liefern lassen. Das ist bequem und beschert nebenbei ein gutes Gewissen.

Früher war der Einkauf von ökologisch einwandfreien Lebensmitteln ja so eine Sache: Wer sich vollwertig, pestizidfrei und noch dazu sozial verträglich ernähren wollte, musste sich dafür ins Reformhaus wagen. Das brauchte die richtige Einstellung und auch Mut. Denn Kunden, die zu viel Schokolade in ihren Einkaufswagen gestapelt hatten, bekamen das an der Kasse von einer Verkäuferin im Arztkittel womöglich mit einem Vortrag über gesunde Ernährungsweisen quittiert. Inzwischen lässt sich Naturkost fast überall und ganz ideologiefrei kaufen. Bequeme oder zu beschäftigte Menschen brauchen dafür noch nicht einmal mehr das Haus zu verlassen: Ein Anruf oder Mausklick im Internet genügt, schon werden Obst und Gemüse in Bio-Qualität aus heimischem Anbau bis an die Wohnungstür gebracht - selbst wenn die in der vierten Etage in einem Haus ohne Aufzug liegt. Klingt wie im Schlaraffenland? Keineswegs: Biologisch wirtschaftende Bauernhöfe haben das Abonnement als Vertriebsweg ihrer Erzeugnisse entdeckt.

Im Packraum des Gertruden-Hofs in Weißenthurm (Kreis Mayen-Koblenz) schiebt Bäuerin Kristine von Gudenberg einen Stapel gefüllter Klappboxen vor sich her. Gleich wird ein Fahrer sie abholen, per Strichcode identifizieren und zu den Kunden nach Hause bringen. Zwei Mitarbeiterinnen stehen an einer Packstraße, rufen Bestellungen über einen Bildschirm ab und sortieren wie gewünscht Salat, Bananen, Dill, Äpfel und Champignons grammgenau in grüne Plastik-Lieferkisten.

Rund 300 Kunden versorgt der Bioland-Betrieb im Kreis Mayen-Koblenz so jede Woche. Vor zwölf Jahren beschloss die Biologin von Gudenberg, den brachliegenden Obsthof gemeinsam mit ihrem Lebenspartner zu bewirtschaften. Schon mit der ersten Ernte kurbelte sie einen Lieferservice an - inzwischen hat sich der Gemüse-Bringdienst zu einem festen Standbein ihres Bio-Betriebs entwickelt. Für die Landwirtin bedeutet der Feld-zu-Haus-Service mehr Absatz, aber auch mehr Aufwand. Ihren Kunden erleichtert das Vermarktungsprinzip "Ökokiste" das Leben dagegen gleich in mehrfacher Hinsicht: Sie sparen sich den Weg, kaufen bequem und stressfrei von zu Hause aus ein, brauchen keine Tüten zu schleppen und müssen sich noch nicht einmal mehr fragen, was sie kochen sollen.

Sie können zwischen verschiedenen Sortimenten, Mengen und Lieferzeiträumen wählen. Vorkonfektioniert gibt es die Abo-Modelle Obst, Gemüse, Rohkost, Mix, Regionales oder Mutter und Kind (ohne blähende Gemüsesorten). Das Angebot wechselt wöchentlich - je nachdem, was Gärten und Äcker gerade bieten. Bestellt wird telefonisch oder per Internet, eine feste Bindung brauchen Käufer nicht zu fürchten. Das Abo lässt sich jederzeit kündigen, aussetzen oder im Lieferrhythmus variieren. Wer etwas gar nicht mag oder nicht verträgt, kann seine Vorlieben und Abneigungen anmelden, einzelne Posten austauschen oder sich seine Wunschkiste auch ganz individuell zusammensuchen. Bei solchen Maßanfertigungen entfällt jedoch ein entscheidender Vorteil der Ökokiste: die mitgelieferten Rezepte, die verraten, was sich mit den Zutaten in der Küche anfangen lässt.

Markus Henne aus Andernach weiß die Kochvorschläge und Zubereitungstipps, die der Abo-Kiste jede Woche beiliegen, sehr zu schätzen. "Ganz ehrlich, ich wüsste manchmal gar nicht, was das alles ist", gesteht der 36 Jahre alte Familienvater. Vor drei Jahren hat er die Ökokiste bei einem Nachbarn entdeckt und findet sie klasse: "Das Geniale ist die Verpflichtung - ein bisschen wie im Fitnessstudio. Wenn das Gemüse nämlich erst einmal zu Hause ist, dann wird es auch gegessen", beschreibt er die Vorteile, die das Abonnement für ihn und seine Lieben hat. Dass die Ware auch noch "bio" ist, empfindet er als netten Nebeneffekt. "Es schmeckt einfach besser." Mittlerweile gehen dem Kochlaien die Namen "Goldrush" und "blauer Gauner" flüssig über die Lippen. Erstgenanntes ist seine neue Lieblings-Apfelsorte, letzteres eine Möhre. Die bekommt der elf Monate alte Nachwuchs derzeit noch püriert.

"Unsere Kunden wissen, dass es jetzt noch keine Erdbeeren gibt, sondern erst in vier Wochen - dafür bieten wir ihnen mit saisonal wechselnden Produkten und alten Obst- und Gemüsesorten einen Ausweg aus dem Kücheneinerlei", betont Beate Meyer den erzieherischen Effekt der Ökokiste. Seit sieben Jahren steht sie dem Verband bäuerlicher Gemüselieferbetriebe vor, der sich 1996 im Umland von München gegründet und die Ökokiste ins Leben gerufen hat. Zu Beginn lieferten sieben Mitgliedsbetriebe etwa 50 bis 100 Kisten pro Woche aus. Heute versorgt der Verband über seine 40 Mitglieder 28 000 Haushalte in ganz Deutschland wöchentlich mit durchschnittlich 800 bis 900 Ökokisten. Geändert hat sich seit den Gründerjahren nicht nur das Angebot, sondern auch die Kundschaft. "Die Käufer sind anspruchsvoller geworden. Mit Kartoffeln und Kohl allein ist heute niemand mehr zufrieden. Seit es in jedem Supermarkt Bio-Ware gibt, sind die Kunden gewöhnt, Zugriff aufs Vollsortiment zu haben", schildert Meyer, die selbst Landwirtin ist. 50 Prozent der Bestellungen laufen mittlerweile übers Internet. Neben jungen Familien, die typischerweise auf unbelastete Lebensmittel setzen, wissen auch immer mehr Ältere den Bringservice zu schätzen.

Um sich vom Supermarkt abzuheben, hat sich der Verband strenge Regeln auferlegt. Mitglieder dürfen keinen reinen Lebensmittelhandel betreiben, sie müssen selbst produzieren sowie einen Hofladen unterhalten. "Wir verkaufen 100 Prozent Bio und bevorzugen Produkte aus der Region, um Arbeitsplätze und auch die Landschaftspflege zu sichern. Bei Importware achten wir auf nachhaltige Herstellung und fairen Handel. Bei Ware mit dem EU-Biosiegel, wie es sie im Supermarkt gibt, laufen die Handelsbeziehungen ausschließlich über den Preis - da fragt keiner, unter welchen Bedingungen sie hergestellt ist", erklärt Meyer. Auch Flugware ist in der Regel tabu: Was importiert werden muss, reist umweltverträglicher per Schiff - oder kommt gar nicht erst in die Ökokiste.

Auf dem Gertruden-Hof stöbert sich Astrid Knappe-Denz durchs Warenangebot. Sie holt ihre Abo-Kiste immer selbst ab, um sich im Hofladen weitere Inspirationen zu holen. "Das Schönste an der Kiste ist, dass man jede Woche überrascht wird", findet die Krankenschwester aus Urmitz, der es wichtig ist, sich bewusst zu ernähren und Betriebe in der Region zu fördern. Weniger kaufen und dafür besser, lautet ihr Motto. Sie ist überzeugt, dass sich dieses Qualitätsbewusstsein auszahlt - sogar finanziell. "Man weiß die Dinge einfach mehr zu schätzen, weggeworfen wird bei mir nichts. Außerdem steht der Preis für meine Kiste ja fest, ungewollte Ausgaben gibt es da nicht." Mit ihrer Gemüsekiste für 12 Euro kommt Knappe-Denz durch die ganze Woche und ist wie die übrigen Stammkunden des Gertruden-Hofs längst zur Überzeugungstäterin geworden. "Ich esse gesünder - und hab" dabei auch noch ein gutes Gewissen."

N I C O L E M I E D I N G

Das Gemüse-Abo

Der Verband bäuerlicher Gemüselieferbetriebe vereint unter seinem Dach 40 ökologisch wirtschaftende Höfe. Sie beliefern 28 000 Haushalte in ganz Deutschland mit der "Ökokiste". Die Mitglieder produzieren nach einheitlichen Standards. Um ein möglichst breites Warenangebot bieten zu können, sind sie mit Landwirten in der Region vernetzt und kooperieren mit Bio-Großhändlern. Auskunft im Internet: www.oekokiste.de

Viele Bio-Höfe liefern ihre Waren mittlerweile per Abonnement nach Hause. Nicht immer sind die Anbieter leicht zu finden - Nachfragen beim Bauern lohnt sich. Verschiedene Internetportale erleichtern die Suche nach einem Betrieb in der eigenen Postleitzahlenregion, z. B. www.gemüsekiste.de, www.bioeinkaufen-rlp.de

17.04.2010 © Rhein-Zeitung

 

Gertrudenhof Weißenthurm www.gertruden-hof.de

Zuletzt geändert am: 20.04.2010 um 09:17

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