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Heimatgeschichte - kurz gefasst

 

Weißenthurm als Gemeinde, als Stadt gar, ist noch jung. Jedoch auf Grund seiner Lage im Koblenz-Neuwieder Becken an der wichtigen Wasserstraße des Rheins, die schon zur Römerzeit von einer festen Straße begleitet war, ist dieser Raum sehr altes Kultur- und Siedlungsgebiet. 

Vor- und Frühgeschichte

 

In der Weißenthurmer Gemarkung wurden - zum größten Teil beim Bimsabbau - Bodenfunde gemacht, die auf eine sehr frühe Besiedlung deuten:

  •  Tonbecher aus der Jungsteinzeit (2000 -1800 v. Chr.)

  •  Keramik und Waffen aus der frühen Bronzezeit (1800-1250 v. Chr.)

  •  Keramik und Waffen als Grabbeigaben sowie einige Brandgräber aus der letzten Epoche der Bronzezeit, der sogenannten Urnenfelderkultur (1250-750 v. Chr.)

  •  Goldmünzen, Glasperlen und ein Keramikfund aus der Latenezeit, eine Ausprägung der sogenannten Hallsteinkultur (250 v. Chr.)

 

In dieser Zeit wohnten hier Kelten, die Ackerbau, Gewerbe, aber auch schon intensiven Handel bis in den Mittelmeerraum betrieben. Um Christi Geburt war unser Raum Siedlungsgebiet des kelti­schen Stammes der Treverer.

 

Römerzeit

 Zweimal, 55 und 53 v. Chr., ließ Juliusus Caesar eine Brücke über den Rhein schlagen - wahrscheinlich über das Weißenthurmer Werth - um den auf dem rechten Rheinufer lebenden germanischen Stämmen der Ubier und Sugambrer römische Überlegenheit zu demonstrieren.

 

Im 1. nachchristlichen Jahrhundert entstand die römische Rheintal-Straße von Mainz über Koblenz in Richtung Köln. Sie wurde zu einer wichtigen Militär- und Handelsstraße und verlief im Weißenthurmer Bereich über die heutige Hauptstraße bzw. den ,,Alten Stich" und die Alte Straße.

 

An der südlichen Gemarkungsgrenze zum heutigen Mülheim-Kärlich ist aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus eine florierende römische Siedlung mit einem römischen Töpferzentrum nachgewiesen, das Gebrauchskeramik z.B. in die römischen Kastelle der Umgebung lieferte.

 

Als die Römer den Limes aufgegeben hatten und sich auf das linke Rheinufer zurückziehen mussten (um 260 n. Chr.), wurde dieses Töpferzentrum aufgegeben.

Zeit der Völkerwanderung 

Den allmählich zurückweichenden römischen Truppen folgten der germanische Stamm der Alemannen und die Gruppe von germanischen Stämmen, die sich die ,,Franken" (die Freien) nannte. Letztere verdrängten die Römer etwa bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts aus dem Bereich Mosel-Mittelrhein; die Bevölkerung aus teilweise romanisierten Kelten wurde nun von einer fränkischen Oberschicht beherrscht. In den römischen Kastellen Koblenz und Andernach entstanden wie andernorts Pfalzen der fränkischen Könige (Merowinger, später Karolinger).

Mittelalter und frühe Neuzeit: Der Weiße Thurm" 

Herausragender Zeuge des Mittelalters ist der ,,Weiße Thurm". Dieser sollte als Wach- und Zollturm der trierischen Erzbischöfe, die wie alle Bischöfe zu jener Zeit auch weltliche Landesfürsten waren, die Grenze zwischen den Kurfürstentümern Trier und Köln sichern.

 

Gebaut wurde er, wie neue Erkenntnisse bei der Renovierung des Turmes 1977/78 ergaben, vermutlich nicht durch Erzbischof Kuno von Falkenstein (Regierungszeit 1362 - 1388), sondern in den letzten Regierungsjahren seines Nachfolgers Werner von Falkenstein (1388 - 1418) als damals sehr moderne Verteidigungsanlage, die sogar dem Einsatz von Feuerwaffen trotzen sollte.

 

Ein Zollturm an der vielbefahrenen Straße war mit Sicherheit eine hervorragende Einnahmequelle für die Bischöfe von Trier.

 

Der ,,wieße Thorn" ,,unterhalb Platzenborn" wurde erstmals 1550 urkundlich erwähnt.

 

Um den Turm herum entstand im Laufe der Zeit eine Ansiedlung von Gewerbetreibenden - Schmiede, Wagner, Gastwirte etc. - die mit den an der Zollschranke zum Warten gezwungenen Kauf- und Fuhrleuten ins Geschäft kommen konnten.

 

Hier beginnt die eigentliche Geschichte der Stadt Weißenthurm.

 

Geschichte der Stadt Weißenthurm 

Die erste Ansiedlung von Gewerbetreibenden um den Weißen Thurm am Platzenborn lag in Ländern des damaligen ,,Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" auf 3 Gemarkungen:

 

Im Nordwesten des Turmes verlief die Grenze zwischen Kurtrier und Kurköln etwa auf der Linie Saffiger Straße - Honiggasse zum Rhein. An der Rheinuferstraße ist heute noch ein Grenzstein zu sehen. Im kurtrierischen Bereich des Amtes Bergpflege bildete die Hauptstraße die Grenze, zum Rhein hin war Kärlicher, auf Kettig zu Kettiger Gemarkung.

 

Erste Besiedlung

 Erstes Wohnhaus war das Haus des Türmers und Zolleinnehmers, es brannte 1574 ab. Ab Ende des 16. Jahrhunderts begann sich eine Ansiedlung zu entwickeln.

 

Nach den wirtschaftlichen Rückschlägen des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 48), unter dem die Bevölkerung des Koblenz-Neuwieder Beckens sehr stark gelitten hatte, verfügte der Trierer Erz­bischof Kaspar von der Leyen eine echte Maßnahme der Wirtschaftsförderung: Am 1. Juli 1663 verlieh er seinen Untertanen am Platzenborn das Recht, jedes Jahr am Montag vor St. Bartholomäi, dem Schutzpatron der Kettiger Pfarrkirche, einen Markt abzuhalten, erstmals am 17.08.1663.

 

Auf Grund des günstigen Standorts - Landesgrenze und ,,fliegende Brücke" (Fähre) zum rechten Rheinufer - wurde das Angebot an Märkten erweitert: 1771 wurden am Weißen Thurm sechs Jahr- und Viehmärkte abgehalten, die für die ganze Region nicht unbedeutend waren.

 

Entsprechend vermehrte sich die Bevölkerung: 1684 ermittelte man anlässlich der Erhebung einer Kopfsteuer 5 Feuerstellen, also etwa 25 – 30 Personen.

 

1699 gab es schon 9 Wohnhäuser. Bereits 1706/07 errichteten die Bewohner ihre erste Kapelle, gehörten aber weiterhin zu den Mutterkirchen Kärlich und Kettig. Am Ende des 18. Jahrhunderts lebten am ,,Weißen Thurn" 201 Einwohner.

Franzosen im Rheinland

 Ende des 18. Jahrhunderts brachte die französische Revolution (1789) tiefgreifende Änderungen auch im Rheinland. Die deutschen Fürsten, auch der Trierer Erzbischof Klemens Wenzeslaus, unterstützten die Ansprüche und Angriffe der adligen französischen Emigranten gegen die junge französische Republik.

 

Sie wurden von den französischen Revolutionsarmeen zurückgeschlagen. Diese schoben ab 1794 die französische Grenze bis an den Rhein vor:

 

Unser Raum wurde Teil des französischen Departements Rhein-Mosel mit der Hauptstadt Koblenz.

 

Weißenthurm gehörte zunächst zur Mairie (Bürgermeisterei) Andernach, ab 1806 als Teil der Gemeinde Kettig zur Mairie Bassenheim. Ein heimatgeschichtlich herausragendes Ereignis dieser Zeit war der Rheinübergang der französischen Sambre-Maas-Armee am 18.04.1797 von Weißenthurm nach Neuwied. Den Übergang überwachte General Lazare Hoche vom Weißenthurmer Frauenberg aus, dem Standort des heutigen Hoche-Denkmals.

Preußische Zeit und jüngste Geschichte

 Seit dem Wiener Kongress (1815) war Weißenthurm bis zur Gleichschaltung der Deutschen Länder zur Zeit des Nationalsozialismus Teil der Preußischen Rheinprovinz. In diese preußische Zeit fielen wichtige Entscheidungen für die Siedlung am Weißen Thurm:

  •  1828/29 erhielt die Hauptstraße, die sogenannte Koblenz-Kölner Straße, die seit alten Zeiten über die Alte Straße lief ihren heutigen geraden Verlauf

  •  Anstelle einer Kapelle, die schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut worden war, wurde nach Plänen des berühmten Koblenzer Bauinspektors Johann Claudius von Lassaulx 1837 - 38 eine neue Kirche gebaut, die um die Jahrhundertwende erweitert werden musste. Hervorzuheben ist, dass Lassaulx die Pläne kostenlos zur Verfügung stellte.

  •  1900 - 1902 wurde die Kirche nach Plänen des Architekten Caspar Clemens Pickel erweitert. Die Kirche war noch Filialkirche von Kettig; erst 1872 wurde die katholische Pfarrgemeinde um den Weißen Thurm selbständige Pfarrei.

 

 

Die Industrialisierung begann

  •  1845 erfand Friedrich Nebel einen haltbaren Stein aus Bims, Kalk und Wasser - die Bimsindustrie entwickelte sich.

  •  1851 entstand die Brauerei Remy als Vorläufer der Nette-Brauerei,

  •  1860 begann die Schultheis-Brauerei ihren Betrieb,

  •  1921 erst, zur Zeit der Weimarer Republik, begann mit einem Dosenwerk der Firma Züchner die Blechindustrie.

  •  1858 erhielt Weißenthurm mit der Eröffnung der linksrheinischen Eisenbahn einen Bahnhof der allerdings bis 1873 die Bezeichnung ,,Neu­wied, links rheinischer Bahnhof", danach bis 1893 ,,Neuwied-Weißenthurm" trug. Wahrscheinlich wurde der Bahnhof wegen der Benutzung durch das Fürstenhaus zu Wied repräsentativer gebaut als die Bahnhöfe der Nachbargemeinden. Heute steht er unter Denkmalschutz.

  •  Am 1.01.1866 wurde Weißenthurm durch die Verfügung des Preußischen Königs, des späteren Deutschen Kaisers Wilhelm I., vom 8.11.1865 selbständige Gemeinde mit einer Gemarkungsgröße von rund 400 ha.

  •  Erster Bürgermeister der neuen Gemeinde war Hubert Hubaleck, zugleich Bürgermeister des Amtes Bassenheim. Weißenthurm verdankt ihm sehr viel: Er war der eifrige Fürsprecher der Selbständigkeit, bewirkte 1867 die Verlegung der Amtsverwaltung nach Weißenthurm, förderte den Bau der kath. Pfarrkirche und der Weißenthurmer Volksschule.

 

 

Der erste Weltkrieg, die Zeit des Nationalsozialis­mus und der 2. Weltkrieg forderten auch von den Weißenthurmer Bürgern große Opfer und Entbehrungen.

 

Nach dem 2. Weltkrieg gehörte Weißenthurm zur französischen Besatzungszone und seit 1947 zum neu gegründeten Land Rheinland-Pfalz.

  • Ein für den gesamten Raum wichtiges Ereignis war der Bau der Rheinbrücke zwischen Neuwied und Weißenthurm 1934/35. Sie wurde am 16.01.1945 durch Luftangriffe zerstört. Im Sommer 1945 errichteten die Amerikaner eine hölzerne Behelfsbrücke, die nach Umbauten 1946 durch die Franzosen im Februar 1947 durch Eisgang weggerissen wurde. 1949 wurde die in alter Form wieder aufgebaute Brücke - zunächst einspurig - wieder dem Verkehr übergeben.
    Einen Bericht der Rhein-Zeitung darüber können Sie hier lesen:

    Brücke 1949

     

    Da sie den Belastungen durch den modernen Straßenverkehr nicht mehr gewachsen war, wurde  sie durch eine sechsspurige Stahlbrücke mit Schrägseilaufhängung ersetzt. Diese wurde als ,,Raiffeisenbrücke" am 28.09.1978 eingeweiht.

2004 wurde sie renoviert. Mehr darüber unter www.raiffeisenbruecke.de

 

 

 















 

 

 

 

 

 

 

 

  • Anlässlich des 100-jährigen Bestehens als selbständige Gemeinde verlieh Ministerpräsident Dr. Peter Altmeier am 25.06.1966 Weißenthurm die Stadtrechte.

 

 

Die wichtigsten Denkmäler in Weißenthurm

Der ,,Weiße Thurm"

 Der schon erwähnte historische Grenz- und Zollturm ist das Wahrzeichen der Stadt Weißenthurm. Nach seiner Restaurierung 1977/78 wurde im Turm ein kleines  Heimatmuseum eingerichtet sowie ein gemütliches Schöffenstübchen, das für private Feiern angemietet werden kann.

Das Hoche-Denkmal 

Die Gedenk- und Grabstätte des berühmten französischen Generals Lazare Hoche liegt beherrschend auf einer Anhöhe in der Mitte der Stadt. Schon 1797 wurde durch Spenden von französischen Truppen der Kauf des Grundstücks auf dem ,,Frauenberg ermöglicht, von dem aus der bei Freund und Feind geachtete General Hoche seine Soldaten zum Rheinübergang nach Neuwied und damit zu seinem letzten Sieg geführt hatte.

 


 

Die Herstellung der aufwendigen Grabanlage mit Gruft, Obelisk und Parkgelände zog sich lange hin. Erst 1919, nach dem ersten Weltkrieg, wurden die sterblichen Überreste von Lazare Hoche in einem feierlichen Festakt in der Grabkammer des Hoche-Denkmals beigesetzt. Eine Sandsteinplatte, die sein erstes Grab bei der Grabanlage des Generals Marceau in Koblenz bedeckte, wurde ebenfalls nach Weißenthurm gebracht und ist links vom Denkmal im gärtnerisch gestalteten Teil der Anlage erhalten.

 

Seit 1978, nach Abschluss eines Vertrages zwischen der Stadt Weißenthurm und dem französischen Staat, ist der Hoche-Park für die Bürgerschaft geöffnet. In einem weiteren Vertrag von 1995 übernimmt die Stadt Weißenthurm die Pflege des Denkmalbereichs.

 

Die katholische Pfarrkirche 

In der 1902 von Caspar Clemens Pickel erweiterten Pfarrkirche zeigt ein Fenster im rechten Seitenchor die ursprüngliche Lassaulx-Kirche von 1837/38. Treu geblieben ist man bei der Erweiterung den Lassaulx'schen Gestaltungselementen:

Eine reine Neoromanik, die klar konturiert wird durch die verwendeten kontrastreichen heimischen Steine Tuff und Basalt im Verbund mit hell verputzten Flächen.

 

1970 fand auf Grund der Gedanken des 2. Vatikanischen Konzils im Rahmen einer notwendigen Renovierung eine Umgestaltung des Chorraumes statt. 1990 wurde bei der Innenrenovierung die alte farbige Fassung zum Teil freigelegt und restauriert.

  

Stand: 24.09.2004 / 08.06.2008